Im Sommer und im Herbst sammeln Schweden jeden Alters und jeder Herkunft Pilze, Beeren und Früchte. Das Angebot variiert enorm von Region zu Region. Es gibt unzählige köstliche Pilzsorten, über 500 wilde Beeren und ungefähr genauso viele Apfelsorten. In den Wäldern und Ebenen wachsen Blaubeeren, Walderdbeeren, Moltebeeren, Preiselbeeren, Vogelbeeren, Holunder und vieles mehr. Einige werden frisch mit Milch oder Sahne gegessen, andere zu Marmelade, Gelee oder Fruchtsaft verarbeitet und in der kalten Jahreszeit genossen.
Viele Schweden – und immer mehr Restaurants – haben eigene Gärten, entweder zuhause oder an ihrem Landhaus. Beliebte Gartensträucher sind rote und schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren. Meist gibt es auch Rhabarber, Apfel-, Birnen- Pflaumen- und Kirschbäume. Und ambitionierte Gartenbesitzer bauen selbst Gemüse an und ziehen ihre eigenen Kräuter.
Die Notwendigkeit, Nahrungsmittel unter rauen Klimabedingungen zu konservieren, war eine Grundvoraussetzung bei der Entwicklung der schwedischen Küche, d. h. das Haltbarmachen durch Trocknen, Räuchern, Pökeln oder anderen Techniken. Die zahlreichen Variationen von eingelegtem Hering, von denen viele eine süßsaure Note haben, sind hierfür vermutlich das beste Beispiel. Gebeizter Lachs ist ein anderes. Gebeizter Lachs, oder Gravlax, wurde ursprünglich gesalzen und im Boden vergraben, und somit bis zum Verzehr haltbar gemacht (grav bedeutet graben). Heute wird Gravlax unter Druck über den Zeitraum von einigen Stunden bis zu einigen Tagen in Salz, Pfeffer, Zucker und gehacktem Dill „vergraben“.
Kaffee kam über die Türkei zu einer Zeit nach Schweden, als das Land zu Finnland gehörte. Die Finnen sind derzeit das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum, dicht gefolgt von Schweden. In Schweden hat sich die fika – die Kaffeepause, die sich Schweden mehrmals am Tag mit Familie, Kollegen oder Freunden gönnen, zu einer kulturellen Institution entwickelt. Fika bedeutet eine Tasse Tee oder Kaffee zu trinken und häufig, aber nicht notwendigerweise, an einem kaffebröd (Kaffeebrot: Kleingebäck, Kuchen oder Zimtschnecken) oder einem Käsebrot zu knabbern. Die Cafés, die meist konditori genannt werden, sind in den Städten, aber auch in kleinen Dörfern das Zentrum des Geschehens.
Die Lebendigkeit der nordischen Gastronomie manifestiert sich auf unterschiedliche Art. Neben der innovativen Restaurantszene gibt es eine wachsende Anzahl neuer, kleiner Nahrungsmittel- und Getränkeproduzenten, die auf dem Land und in den Städten aus dem Boden schießen. Mikro- und Nanobrauereien, mobile Metzgereien, Most- und Apfelsaftbusse, Steinofenbäckereien, Käsereien, Gemüse- und Kräuteranbau, ökologische Schweine- und Rinderzucht. Viele von diesen neuen Nahrungsmitteln werden in enger Zusammenarbeit mit Küchenchefs der Region entwickelt und produziert.
Und trotz der nördlichen Lage gibt es immer mehr Weingüter. Die ca. 30 eingetragenen Winzerbetriebe liegen im südlichen Teil des Landes und auf den Ostseeinseln Gotland und Öland.
Quelle: The World's 50 Best Restaurants