Von Müllkippe zu Naturreservat

  • Rapeseed field in Southern Sweden

Rapeseed field in Southern Sweden

Lachmöwen krächzen, Blässhühner rufen, Moorfrösche quaken und der See Hjälmaren funkelt in der Nachmittagssonne – und inmitten dieser Naturidylle gehen Spaziergänger, Fahrradfahrer, Jogger und Vogelbeobachter wie selbstverständlich ihrem Freizeitvergnügen nach. Dabei ist dieses tierische und menschliche Treiben nur etwa drei Kilometer außerhalb der Stadt Örebro absolut keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil: Über Jahrzehnte hinweg hat sich hier kaum jemand freiwillig aufgehalten, denn im Zuge der Industrialisierung hatte sich das einst prachtvolle Feuchtgebiet am Westufer des Sees ab Anfang des 20. Jahrhunderts zum unansehnlichen Hinterhof der Stadt entwickelt – mit Industriezonen, Militärgebiet, Ölhafen und überhäuften Müllkippen.

Dass sich hier heute wieder eine gesunde Flora und Fauna befindet, die das Gebiet sogar als Naturreservat qualifiziert hat, ist vor allem der Arbeit und dem Engagement von Mats Rosenberg zu verdanken. Mit Bedauern hatte der Biologe und Ornitologe über Jahrzehnte beobachtet, wie die Vogelwelt in dem Gebiet langsam zu Grunde ging – eine Vogelwelt, die der Ornitologe Erik Rosenberg, ein Cousin des Großvaters von Mats Rosenberg, zwischen 1930 und 1950 in ganz Schweden bekannt gemacht hatte. Im Jahr 1990 ergab sich dann aber eine Gelegenheit, von der weder Mats Rosenberg noch seine Naturschutz-Mitstreiter zu träumen gewagt hätten: Das Regiment I3 wurde aufgelöst und durch die Stilllegung des Militärgeländes hatte die Gemeinde plötzlich die Möglichkeit, große Landflächen vom Staat zu erwerben, um neue Wohngebiete zu errichten. Gleichzeitig war die Region aber von hoher Arbeitslosigkeit betroffen und die Gemeinde war auf der Suche nach sinnvollen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. In diesem Rahmen wurde unter anderem auch beim lokalen Naturschutzkreis nach Projekten gefragt – und dort engagierte sich zufällig auch Mats Rosenberg. Die Vision entstand: Was wäre, wenn man das ehemalige Militärgelände nicht bebauen, sondern eine Kehrtwende machen würde? Was wäre, wenn man Arbeit schaffen könnte, indem die ursprüngliche Feuchtgebietslandschaft wieder hergestellt wird?

Was zunächst wahnwitzig erschien, erhielt durch die Berufung Mats Rosenbergs zum Gemeindebiologen auf einmal eine Chance. Denn mit viel Diplomatie und Engagement stellte er die Weichen, um die Idee Schritt für Schritt zu verwirklichen: Zuerst wurde die Vena-Müllkippe gereinigt, um einen kleinen Vorgeschmack zu schaffen. Mit Hilfe dieses Vorzeigebeispiels wurden dann die lokalen Politiker „bearbeitet“ – mit dem Erfolg, dass einige einflussreiche Vertreter den Mut hatten, den Beschluss für die Wiederherstellung des gesamten Gebiets zu fassen. Auch die Kollegen der Arbeitsämter konnten von der Idee überzeugt werden und vermittelten im Rahmen der ABM zahlreiche Menschen, welche die Grobarbeit verrichteten und bergeweise Müll sammelten. Danach gingen die Profis ans Werk und erweckten die einzelnen Gebiete nach und nach wieder zu neuem Leben: Die zum Ende des 19. Jahrhunderts trockengelegte Fläche zwischen Örebro und Hemfjärden wurde wieder geflutet, verschiedene Biotope wurden angelegt und nach und nach eroberte sich die Natur ihren Platz wieder zurück. Gleichzeitig legten die Biologen Wege, Brücken und Grillplätze mit Feuerholz an, um den Einwohnern der Stadt einen Anreiz zu bieten, hierher zu kommen. Darüber hinaus wurde mit dem sogenannten „Naturens hus“ ein Informationszentrum mit Café, Restaurant sowie einer Naturschule in Betrieb genommen und auch geführte Touren werden angeboten. Vor allem aber wurde das Gebiet an das städtische Busnetz angeschlossen, damit es für alle Einwohner gut erreichbar ist.

Das Resultat von Rosenbergs langjähriger Arbeit übertrifft alle Erwartungen: Auf etwa 350 Hektar Fläche beheimatet das Gebiet Rynningeviken nördlich des Flusses Svartån nun wieder ursprüngliche Weidelandschaften und Uferwiesen sowie urwaldartige Uferwälder und seichte Schilfbuchten. Ein Wasserpark mit Dämmen, verschlungenen Pfaden, weich gerundeten Wiesenhügeln und einer reichen Blumenpracht trägt besonders zum Reiz der Landschaft bei. Südlich vom Svartån befindet sich das auf 250 Hektar erweiterte Naturreservat Oset, das von Wander- und Fahrradwegen durch-zogen ist. Diese dienen gleichzeitig als Dämme zur Regulierung des Wasserstands, so dass sich im Frühjahr die Uferwiesen überschwemmen lassen, um der Vogelwelt Brutmöglichkeiten zu bieten. Die reiche Pflanzen- und Tierwelt der Seeebene ist in einer blühenden Landschaft in unmittelbarer Nähe der Stadt wiederauferstanden. Kurz: Oset und Rynningeviken haben sich vom „Hinterhof“ der Stadt Örebro zu ihrem „Vorgarten“ gemausert: Hierher führen die Familienspaziergänge, hier wird entspannt und gegrillt und hierher führen die Einwohner von Örebro voller Stolz ihre Gäste.

PR Manager Deutschland:

Sabine Klautzsch

sabine.klautzsch@visitsweden.com

Tel.: 040 - 3255 1320

Michaelisstraße 22

20459 Hamburg

A part of the official gateway to Sweden