Eine demokratische Tradition

Schwedisches Design ist für seine klaren Linien und seine Materialwahl, aber vor allem auch für seine Funktionalität und Ästhetik bekannt - was vermutlich auf unsere praktische, schwedische Volksseele zurückzuführen ist. Das Design wird zudem stark von der skandinavischen Mentalität geprägt, einer „demokratischen“ und humanistischen Sichtweise, die Design vor allem als Hilfsmittel zur Vereinfachung und Verschönerung des Alltags betrachtet, und sich im Großen und Kleinen in einer Art ironischer, humorvoller Kreativität widerspiegelt.

  • Updated high-heeled clog designed by Åsa Westlund

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Funktion als wichtigste Eigenschaft des Designs
Das ständige Streben, mithilfe von Design den Alltag aller Menschen, ob groß oder klein, jung oder alt, schwach oder stark, bequemer und angenehmer zu machen, gilt als eines der wichtigsten Attribute des schwedischen Designs, das in allen Bereichen von Schlichtheit, Funktion und Fürsorge geprägt ist. Was später den Grundstein für eine wahre Volksbewegung für besseres und durchdachteres Design im Alltag bilden sollte, wurde bereits in den 1910er Jahren in dem berühmten Manifest „Schönere Alltagsgegenstände“ (Vackrare vardagsvara) des Generaldirektors der Schwedischen Vereinigung für Werkkunst Svenska Slöjdförening (heute Svensk Form) Greger Paulsson formuliert, der seinerseits von der Schriftstellerin Ellen Key inspiriert wurde. In dem Manifest wurde in einer durchdachten Strategie formuliert, wie Design zur Verbesserung der Lebensqualität - sowohl physisch als auch intellektuell und emotionell - der breiten Bevölkerung eingesetzt werden konnte. Die daraus entstehende Volksbewegung spielte bei der Entwicklung des schwedischen Wohlfahrtsstaates eine wichtige Rolle.

Design auf Grundlage von Fürsorge und Gleichheit
Das schwedische „demokratische Design“ wurde vor allem im Industriedesign umgesetzt. Eine der bedeutendsten Personen des schwedischen Industriedesigns des 20. Jahrhunderts war Prinz Sigvard Bernadotte (1907-2002, Onkel des jetzigen schwedischen Königs), der in seiner über 70jährigen Karriere zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie z.B. Schreibmaschinen, Thermoskannen, Besteck oder Dosenöffner entwickelte, von denen heute viele zu den Designklassikern zählen.

Ergonomidesign
Eine andere Fachrichtung innerhalb des weitgefassten Begriffs demokratisches Design ist das so genannte ergonomische Design – Design zur Förderung der Gesundheit und des körperlichen Wohlbefindens und das Design für schwache, hilflose Gruppen wie Kinder, Alte und nicht zu vergessen Körperbehinderte. In all diesen Bereichen ist Schweden nicht nur international führend, sondern seit über hundert Jahren maßgeblich für die Entwicklung und Innovation auf diesem Gebiet verantwortlich. Führend in diesem Bereich des schwedischen Industriedesigns ist das in Designerkreisen international bekannte und auf der Welt einzigartige Designkollektiv Ergonomidesign, das 1969 gegründet wurde. Im Auftrag von SAS entwickelte Ergonomidesign eine Kanne, mit deren Hilfe Belastungsschäden des Kabinenpersonals reduziert werden können und die heutzutage von mehr als 30 Fluggesellschaften eingesetzt wird.
 
Die Babytrage BabyBjörn ist ein ergonomischer Bestseller, der auf der ganzen Welt benutzt wird. Die Trage macht es den Eltern leichter, zusammen mit ihrem Baby – unabhängig vom Terrain – ein aktives Leben zu führen. Durch die Popikone Madonna, die ihre neugeborene Tochter Lourdes in einem BabyBjörn herum trug, wurde die Trage auf der ganzen Welt bekannt.

Weibliche Präsenz
Das schwedische Design zeichnet sich auch dadurch aus, dass in Schweden als erstem Land der Welt Designerinnen in einer traditionell männlichen Branche eine dominierende Rolle spielten. Dies liegt daran, dass man sich in Schweden schon früh für eine Gleichstellung von Mann und Frau einsetzte (das Wahlrecht für Frauen wurde 1921 eingeführt). Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Schweden eine Reihe bedeutender Designerinnen im Bereich Produkt- und Industriedesign wie z.B. die Gründerin von Svenskt Tenn Estrid Ericson und die Textildesignerinnen Märta Måås-Fjetterström und Astrid Sampe. Zu den Pionieren der neuen Bewegung, die im 20. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewann, gehören zudem die Textil- und Modedesignerin Pia Wallén sowie die Glas- und Keramikdesignerinnen Ingegerd Råman und Lena Bergström. Heute gibt es unzählige begabte jüngere Designerinnen in unterschiedlichen Bereichen, von denen eine Vielzahl auch international immer bekannter wird. Zu den bedeutendsten, international anerkannten, zeitgenössischen schwedischen Designerinnen gehören unter anderem Monica Förster und das Designkollektiv Front (Sofia Lagerkvist, Charlotte von der Lancken, Anna Lindgren und Katja Sävström). Ebenfalls erwähnt werden sollte Anna von Schewen.  

Demokratisches Design als kommerzieller Erfolg
Dass sich ein demokratischer Designansatz auszahlt, lässt sich am geschäftlichen Erfolg der schwedischen Unternehmen H&M und IKEA ablesen. Beide Unternehmen wurden 1947 unweit voneinander in Südschweden gegründet und haben sich in den wichtigen, globalen Branchen Einrichtung und Mode zu international führenden Stil-Institutionen entwickelt. IKEA und H&M arbeiten nach einem hochgradig demokratischen, „schwedischen“ Geschäftskonzept: durch Voraussicht und ein sicheres Gespür für neue Trends, wirtschaftliche Produktion mit großen Serien und - nicht zu vergessen – ein geniales, innovatives, schnelles und effizientes Distributions- und Marketingkonzept der breiten Masse modernes Design zugänglich zu machen.

PR Manager Deutschland:

Sabine Klautzsch

sabine.klautzsch@visitsweden.com

Tel.: 040 - 3255 1320

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