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Raoul Wallenberg: 100 Jahre Zivilcourage

Legt man sein Wirken zugrunde, müsste Raoul Wallenberg einer der berühmtesten Schweden sein. Während der Nazi-Zeit rettete der schwedische Diplomat zehntausende ungarischer Juden. Gemessen daran kennen nur wenige Raoul Wallenberg, der am 4. August vor 100 Jahren geboren wurde.

  • Exhibition on Raoul Wallenberg (1912-2012)

Exhibition on Raoul Wallenberg (1912-2012)

Ganze sechs Monate hat Raoul Wallenberg 1944 als Sekretär der schwedischen Gesandtschaft in Budapest gewirkt; dann verschleppten ihn Sowjet-Soldaten. Dem Diplomaten reichte diese kurze Zeitspanne, um ein System aus „schwedischen Schutzpässen“ und Schutzhäusern zu erfinden und tausende Juden vor der Deportation zu retten. Sein eigenes Schicksal hingegen ist ungeklärt und mythenumsponnen; als wahrscheinlich gilt, dass er 1947 auf Anweisung Stalins hingerichtet wurde.

In der ganzen Welt und so auch in Schweden wird in diesem Jahr Raoul Wallenbergs gedacht und seine Lebensleistung gewürdigt. Im Stockholmer Armeemuseum wurde sein Büro in der schwedischen Gesandtschaft in Budapest als Wallenberg-Raum nachgebaut. Die Ausstellung beleuchtet den Menschen Wallenberg, seine Familie und seine Vorbilder. Neben einigen Zeichnungen und Skizzen, die seine kreative Seite spiegeln, sind auch einzigartige Gegenstände zu sehen, die die Sowjets 1989 der Familie Wallenberg aushändigten.

Das Stadtmuseum Stockholm zeigt die Wanderausstellung „Mir bleibt keine andere Wahl“, die u.a. durch Schweden, Deutschland und Ungarn zieht, vom 29. Juni bis 19. August 2012. Mit dieser Ausstellung erinnern das schwedische Außenministerium, das Schwedische Institut und das Forum für Lebendige Geschichte an Raoul Wallenberg. Vorgestellt werden Leben und Engagement des schwedischen Diplomaten. Wallenbergs Triebfeder hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt: Verfolgung, Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus - viele Menschen müssen sich auch heute dagegen zur Wehr setzen. Aber kann das Engagement eines Einzelnen angesichts übermächtiger Strukturen von Unterdrückung und Verfolgung etwas bewirken? Wallenberg  hat darauf eine klare Antwort gegeben und gezeigt, wie Kraft und Entschlossenheit eines Einzelnen von großer Wirkung sein können. Sein Einsatz kann auch heute Vorbild für Zivilcourage und Verantwortung sein.

In Stockholm werden einige Stadtwanderungen durch die Stadtteile Östermalm und Norrmalm angeboten. Wallenbergs vorheriger Arbeitsplatz und andere Stätten, die mit ihm in Verbindung stehen, werden besucht. Auch geht man der Frage nach, wie sich Schweden im Zweiten Weltkrieg gegenüber dem Nationalsozialismus verhielt. Termine für die Stadtwanderung sind 4. August, 14 Uhr, sowie  20. und 26. September, jeweils 18 Uhr, Treffpunkt Östra Stallet, Storgatan 41.

Und schließlich wird am 16. August 2012 ein neues Wallenberg-Denkmal eingeweiht, das direkt vor dem Außenministerium am Platz Gustaf Adolfs torg seinen Platz findet. Das dezente Denkmal besteht aus einer Bank aus schwarzem Granit, unter der ein bronzener Diplomatenkoffer steht. Dieses Symbol findet ein Vorbild im Denkmal „Hope“ vor dem UN-Gebäude in New York, wie dieses vom Ehepaar Kraitz geschaffen. Und der Koffer besitzt bereits Geschwister vor Wallenbergs Geburtshaus in Kappsta bei Stockholm, im Wallenbergsparken in Malmö, im Skulpturenpark in Lund sowie im Mauermuseum in Berlin.

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©Plattform/Johnér

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Zu seinem 100. Geburtstag am 4. August meldet sich sogar Barack Obama zu Wort. „Als die Juden in Budapest mit dem gelben Stern gezeichnet wurden, hat Raoul Wallenberg ihnen Schutz hinter der blaugelben schwedischen Flagge gegeben. Als sie in Züge für die Lager gepfercht wurden, hat er sie herausgeholt.
Als sie auf Todesmärsche geschickt wurden, ist er ihnen mit Essen und Wasser gefolgt, das Leben rettete“, sagt der US-Präsident über Wallenberg, dem 1981 als zweitem Nicht-Amerikaner nach Winston Churchill die Ehrenbürgerschaft der USA zuerkannt wurde.

Die Wanderausstellung „Mir bleibt keine andere Wahl. Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von Raoul Wallenberg“ ist vom 10. Oktober bis 11. November 2012 im Centrum Judaicum in Berlin-Mitte zu sehen. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfassenden Rahmenprogramm, einer Zusammenarbeit der Schwedischen Botschaft mit der Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum und dem Centrum Judaicum, mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft.

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