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Die Urkraft des Waldes

Bereits auf dem Schotterweg in den Wald beginnt man zu verstehen, wie viel Arbeit und Herz in dem Unternehmen Urnatur steckt. Der Weg hinauf zum Hof ist von einem eineinhalb Kilometer langen Zaun gesäumt, der aus fast 7000 Fichtenstämmen und Pfählen besteht und von rund 3000 Weidenruten zusammengehalten wird. Den Großteil davon hat Håkan Strotz selber gebaut – in ungefähr 1500 Arbeitsstunden.

„Egal, ob es sich um Gebäude oder Speisen handelt – wir versuchen so viel wie möglich selber aus den Bäumen, Pflanzen und Tieren zu machen, die wir hier auf dem Hof haben“, erklärt er. Und das Ergebnis im Wald bei Ödeshög sieht aus als würde es aus einer Geschichte von John Bauer oder J.R.R. Tolkien stammen.

Wir sind nur ungefähr 500 Meter von dem kleinen Dorf Sjögetorp entfernt, einer typisch schwedischen Siedlung mit Häusern aus weißen Ziegeln mit Grillplätzen und Hängematten im Garten. Doch nun scheinen wir mitten in einem Märchenwald zu stehen – weit entfernt von der modernen Zivilisation und ihren Bewohnern.

Entlang eines kleinen Pfades, der zwischen Nadelbäumen hindurch führt, haben Håkan Strotz und seine Frau Ulrika Krynitz neun Blockhütten für Gäste hergerichtet. Etwas weiter weg liegt die Einsiedelei versteckt: eine russisch inspirierte Pilgerhütte mit Hakenleisten, die von den Amish People stammen; die Hattstugan (dt. Huthütte), die eine Mischung aus japanischen Einflüssen und schwedischem Kunsthandwerk ist; die Kolarkojan, die einer Köhlerhütte nachempfunden ist, zwei samische Winterkoten mit Torfdach, eine Badehütte, eine größere Hüte mit einem Aufenthaltsraum und zu guter Letzt das Luftslottet und das kleine Trähuset – zwei wunderschöne Baumhäuser, die einen an das Reich Lothlórien in „Herr der Ringe“ denken lassen.

Zum Essen gibt es Flussbarsch oder Krebse, die aus dem nahen See Visjön stammen, Lammfleisch von den Lämmern des Hofes oder Bärlauchsuppe. „Einfacher Luxus“ – so könnte man das Konzept von Urnatur beschreiben. Oder wie Håkan Strotz und Ulrika Krynitz zu sagen pflegen: ”Wir wollen unseren Gästen einen angenehmen Aufenthalt in der Natur ermöglichen“. Doch als Besucher bekommt man so viel mehr als das.

Hinter Urnatur stehen zwei Menschen, die eng mit der Natur verbunden sind: Håkan Strotz ist schon als kleiner durch den Wald gezogen und hat Baumhäuser gebaut. Später arbeitete er als Jagdleiter in Kanada, in einem Fischercamp im Norden Russlands, machte eine Ausbildung zum Jägermeister, betrieb eine Naturschule in Omberg und organisierte Handwerkscamps in Sjögetorp.

Ulrika Krynitz nahm mit 15 an einem Kurs über wilde Pflanzen in ihrer deutschen Heimat teil und ihr Lebenslauf ist ebenso originell wie der ihres Mannes. Sie studierte Biologie, arbeitete auf einer Farm in Neuseeland, auf Sennhütten in Schweden und auf Ökobauernhöfen in ganz Europa. 2007 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Urnatur.

Die meisten ihrer Kunden sind Firmen, die eine etwas andere Umgebung für ihre Konferenzen und Meetings suchen. Außerdem bietet das Unternehmen auch besondere Wochenendpakete für Privatpersonen an. Für Gruppen ab fünf Personen kann man auch unter der Woche Privataufenthalte buchen.

Im letzten Jahr haben 300 Besucher in der Einsiedelei im Wald übernachtet – zur Hälfte Schweden und der Rest aus Holland, Dänemark und Norwegen, England, den USA und Japan. Doch genau wie viele andere ökologische Tourismusunternehmen kämpft Urnatur mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Vor einiger Zeit war Håkan Strotz auf einer Konferenz und berichtete von seinem Projekt. Später kam ein Trendforscher zu ihm und sagte: „Ihr macht genau das, worüber wir reden.“ Ein gutes Zeichen für Urnatur. Eine schöne Bestätigung war auch die Tatsache, dass im letzten Jahr sowohl Volvo als auch das nordamerikanische Modeunternehmen Anthropologie bei Urnatur waren, um in der Umgebung Werbefilme zu drehen. „ Es scheint so, als ob es aufwärts geht!“ sagt Håkan Strotz und lächelt.

 

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Diese Reportage ist der Tipp Nr. 1 aus NORRs großem Ökoreiseführer.  Den vollständigen Guide finden Sie in Ausgabe 2/2011.

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