Der Weg zur Freiheit

Auf der Suche nach Entschleunigung geht es für ein paar Tage in das südliche Schweden. Wir wollen einfach den Geräuschen der Stadt entfliehen, die Seele baumeln lassen und dem Klang der Stille lauschen. Ziel: Das småländische Hochland. Lesen Sie Daniel Reichs Leserreportage für NORR - Das Skandinavienmagazin

  • Småland in Southern Sweden
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Småland in Southern Sweden

Unseren vierjährigen Sohn Emil, der unbedingt einmal einen lebendigen Elch sehen will, haben wir mit im Gepäck. Als Ausgangsort wählen wir die kleine Stadt Virserum, mitten in Smaland und perfekt für kinderfreundliche Erkundungen in das Umland. Dort mieten wir uns eine gemütliche Hütte, die nach ökologischen Standards erbaut wurde.

Als wir ankommen, sind wir bereits von der Landschaft verzaubert und von den Düften des Waldes hypnotisiert. Es riecht nach Fichten und Kiefern, Pilzen, Beeren und Moos. Die Geschichten von Astrid Lindgren erscheinen uns irgendwie real und bekommen jetzt ein Gesicht. Ein Höhepunkt des Urlaubes besteht darin, einen richtigen Urwald zu durchqueren, mit der Hoffnung einem Elch zu begegnen.

Gesagt, getan. Wir packen einen Rucksack mit Utensilien zum Kochen und ein paar Kleinigkeiten zum Essen, denn draußen schmeckt es bekanntlich am Besten. Die Fahrt mit dem Auto führt uns in Richtung Nordwesten über Vimmerby in die Nähe von Ydrefors, während die Eintönigkeit des Motorengeräusches Emil zum Einschlafen zwingt und ihn in das Land seiner Träume befördert.

Derweil unterhalten sich die Eltern angeregt. Dann der Supergau: Wir haben uns tatsächlich verfahren. Das Barometer der guten Laune sinkt so schnell wie die Regentropfen zur Erde fallen. Die Anspannung der Eltern macht sich deutlich bemerkbar. Plötzlich, wie aus dem Nichts, steht er da: „Der König der Wälder“. Ein stattlicher Elchbulle mitten auf der Straße. Aufgeregt und von den Gefühlen überwältigt, holen wir Emil zurück in die Wirklichkeit. Noch ein wenig vom Schlaf betrunken, äußert er, dass natürlich Elche und Frösche zu seinen Lieblingstieren gehören. Die Eltern stimmen dem Gesagten wohlwollend zu und die Stimmung im Auto füllt sich sofort wieder mit Heiterkeit. Der Elch, immer wieder zu uns hinüber blickend, trabt gemütlich in den vor uns liegenden, märchenhaften Wald hinein.

Wir fahren fröhlich und zugleich dankbar weiter, bis sich herausstellt, dass die von uns gewählte Route nur ein kleiner Umweg ist. Wie war das noch? Viele Wege...

Glücklich angekommen, steigen wir in den Urwald ein. Mächtige Baumriesen von über 150 Jahre alten Kiefern und Fichten umgeben uns. Moose und Flechten verzieren die großen Felsblöcke. Hier im Nationalpark Norra Kvill sieht es zauberhaft aus, als wären wir im Wald von Ronja Räubertochter. Auf dem höchsten Punkt des Waldes Idhöjden lassen wir uns nieder und sind vom Ausblick in die Ferne nahezu berauscht. Einfach wunderbar. Wir sind angekommen im Reich der Entschleunigung, in der Freiheit des Waldes.

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Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des NORR Magazins 2/2014.

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