An den Steilküsten im Westen zeigen Wind und Wellen ihre beeindruckende Kraft: Verwitterte Felsen ragen bis zu vierzig Meter aus der Ostsee empor.
Gotland ist ein Kalksteinplateau, das sich nach der letzten Eiszeit aus dem Meer erhoben hat. Seit zehntausend Jahren nagen Meer und Wetter an seinen Rändern und haben bizarre Figuren entstehen lassen: Im Süden bewacht der Hoburgsgubben, der „Alte von Hoburg“, die Insel, ein mächtiger Fels, dessen Relief die Fantasie beflügelt. Im Norden trotzt ein ganzes Bataillon ausgemergelter Gestalten den Kräften der Erosion: Raukar werden die geheimnisvollen Felsformationen genannt. Sie stehen als Monolithe am Strand oder überragen im Landesinneren die Weiden.
Besonders beeindruckend sind die Raukar auf der Insel Fårö im Norden Gotlands. Aber nicht überall ist die Küste schroff und karg. Dünen und breiten Sandstränden südlich von Visby verdankt Gotland den Ruf einer Badeinsel. Die Schweden vom Festland schätzen die langen Sommer und die kinderfreundlichen Sandstrände rund um Tofta.
Heiden und Weiden
Im Inneren wechseln fruchtbare Äcker mit weiten Heideflächen. Schafherden ziehen über die Wacholder-Ebenen. Das Wappentier der Insel ist das Gutefår, das Gotland-Schaf mit dem charakteristisch geschwungenen Horn. Typisch für Gotland sind die lövängar, so genannte Hutewälder, die durch traditionelle Beweidung entstanden sind. In diesen lichten Laubwäldern ohne Unterholz ist die Vielfalt an Blumen, Kräutern und Schmetterlingen besonders groß.
Die Inseln rund um Gotland
Vier kleine Inseln gehören zu Gotland. Allesamt einzigartige Naturphänomene. Am entlegensten ist Gotska Sandön. Dreißig Kilometer nördlich von Gotland ist diese zum Nationalpark erklärte Sandinsel kein gewöhnliches Ziel für Ausflügler, sondern eher für Biologen und andere Naturforscher.
In Sichtnähe vor der Westküste erheben sich die Kleine Karlsinsel und die Große Karlsinsel. Die beiden Kalksteinplateaus der Karlsöarna sind als Miniaturausgaben von Gotland mit Ausflugsbooten zu erreichen. Hier leben wilde Gotland-Schafe und Pilgrimsfalken. Menschen sind nur als Tagesbesucher geduldet.
Die größte Insel ist nur durch einen schmalen Sund von Gotland getrennt: Nach Fårö pendelt eine kostenlose Auto- und Personenfähre im halbstündlichen Takt. Auf Fårö gibt es so gut wie keine moderne Landwirtschaft. Wacholderheiden, alte Steinmäuerchen, windgepeitschte Kiefern und winzige Fischerhütten die in Helgumannens Fiskeläge prägen das Bild einer urtümlichen Kulturlandschaft. Die meisten und wohl schönsten Raukar Gotlands stehen an der Nordwestspitze. Zu den Felsformationen von Digerhuvud führt eine einsame Küstenstraße wie bis ans Ende der Welt.
Schwedens Film-Vater Ingmar Bergman hatte sich früh in Fårö verliebt und seinen Wohnsitz dorthin verlegt. Er lebte auf Fårö bis zu seinem Tod im Sommer 2007.