98 Stunden bis zum Ziel
Für NORR nahm Marion Martin zum ersten Mal am Fjällräven Classic teil und legte mit 15 kg Gepäck auf dem Rücken 110 km auf dem Kungsleden zurück...
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| Fotos: Martin Hülle & Marion Martin |
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Wie eine einsame Stuhllehne ragt er aus der Erde. „Perfekt!“, denke ich und lasse mich an dem einzigen Stein weit und breit herunter sinken. Den Rucksack lasse ich einfach auf. Neben mir auf dem Boden liegt ein rosa Baumwoll-Handtuch. Wer nimmt denn so was mit ins schwedische Fjäll?! Wenn ich in den drei Tagen auf dem Kungsleden etwas erkannt habe, dann, dass jedes Gramm zählt. So ein Handtuch ist eindeutig zu schwer. Kein Wunder liegt es jetzt hier rum!
Bereits am ersten Tag lernte ich allerdings die wichtigste Lektion: Man sollte seine Wanderschuhe vor einer solchen Tour tatsächlich richtig einlaufen. Ein paar Waldspaziergänge sind eindeutig zu wenig. Die Quittung sind geschundene und geschwollene Fersen, die bei jedem Schritt einen stechenden Schmerz verursachen. Erst als ich nach oben schaue, um nach meinen beiden Wegbegleitern Ausschau zu halten, bemerke ich den Sonnenuntergang. E r hat die gleiche Farbe wie das Handtuch – quietschrosa.
Kaum vorstellbar, dass die letzte Nacht des Fjällräven Classic ansteht. Im Laufe des nächsten Tages werden wir es geschafft haben – 110 km. Den nördlichsten Teil des Kungsleden, von Nikkaluokta nach Abisko. Die langen Wandertage kommen mir fast vor wie einer. Und obwohl ich erst seit zwei Tagen mit den beiden Jungs laufe, sind wir doch eine Art Team geworden. Beim Start in Nikkaluokta kenne ich niemanden. Doch durch das gemeinsame Ziel herrscht bereits dort eine Art Verbundenheit, allein optisch durch den orangefarbenen Stoff, den jeder Teilnehmer auf seinen Rucksack geheftet bekommt.
Kurz vor dem Startschuss stimmt uns eine Sami mit ihrem Gesang auf den Kungsleden ein. Obwohl ich kein Wort verstehe, meine ich sie uns damit viel Glück für den anstehenden Weg wünschen zu hören. Dann marschieren wir los.
Der Trampelpfad führt zunächst durch einen lichten Birkenwald, immer wieder durch Moore unterbrochen. Das leise Schmatzen unter den Holzplanken lässt vermuten, dass diese nicht grundlos da liegen, sondern bei Regenwetter auch wirklich nötig sind. Da in der letzten der vier Startgruppen nur etwa 60 Teilnehmer sind, entzerrt sich das Feld recht schnell. Aber zwischen den Bäumen leuchten immer wieder orangefarbene Flecken auf. Nach einer guten Stunde bin ich am Ladtjojaure. Über den knappen drei Kilometer langen See kann man auch mit dem Boot fahren. Innerhalb des Fjällräven Classic ist das allerdings nicht erlaubt. Dafür gönne ich mir einen Rentier-Burger bei Lap Donald’s. Die warme Mahlzeit kostet mich schlappe sechs Euro, aber entgehen lassen möchte ich mir diese Gaumenfreude nicht Als ich weiterlaufe, scheine ich weit und breit allein zu sein. Die Wolken hängen tief im Tal, so dass man nur erahnen kann, wie hoch die umgebenden Berge tatsächlich sind.
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Wie im Gebirge das Haarewaschen ausfällt und wie Rentier-Kebab schmeckt, lesen Sie in der ganzen Reportage als PDF rechts oder im Magazin NORR 2/2008, das im gut sortierten Kiosk erhältlich ist.